Uni-Bayreuth

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Das Potenzial von Terra Preta und Biokohle

Haiko Pieplow1
1 BMU, Referat "Umwelt und Wirtschaft, Innovation und Beschäftigung, Umwelt-Audit"

V 2.1 in Anwendung von Biochar in der Praxis

08.07.2010, 16:15-17:00, H 8, GEO

Der Mensch beeinflusst durch die Intensität der Landnutzung seit Jahrhunderten das Regionalklima, mit vielen negativen Auswirkungen für die Umwelt. Der Wechsel zu einer ressourceneffektiven Produktion von Lebensmitteln, nachwachsenden Rohstoffen und Energie wird immer mehr zu einer zentrale Aufgabe. Für eine Milliarde Menschen gibt es inzwischen nicht mehr genug zu essen. Nach Schätzungen der UN wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen zunehmen. Dabei ist die Leistungsfähigkeit der Böden von den zunehmend negativen Folgen des Klimawandels besonders betroffen. Humusabbau, Wüstenbildung, Wassermangel, Verlust der genetischen Vielfalt, die Zunahme von extremen Witterungsereignissen sowie Wind- und Wassererosion führen zu hohen Ernteverlusten, bedrohen Millionen Menschen in ihrer Existenz und gefährden die Umsetzung des UN-Millenniumsziels, den Anteil der hungernden Weltbevölkerung bis 2015 zu halbieren.

Die natürlichen Ressourcen wie Boden sind endlich. Aufgrund der stetig zunehmenden Flächeninanspruchnahme in Folge der Urbanisierung werden auch in Zukunft Flächen in erheblichem Umfang nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden können. Befürchtet wird zudem, dass wegen der globalen Erwärmung in trockenen Regionen mehr produktive Flächen durch Versteppung und Verwüsten verloren gehen als in kalten Regionen hinzugewonnen werden. Die Land- und Forstwirtschaft steht vor der großen Herausforderung, die Produktion auf der vorhandenen Fläche in hoher Qualität deutlich zu steigern und gleichzeitig zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen beizutragen. Das kann nur mit einer nachhaltigen Kreislauf- und Humuswirtschaft gelingen.

Die Umsetzung der Erkenntnisse aus der Terra-Preta-Forschung hat das Potential einer Schlüsselinnovation für das 21. Jahrhundert. Bislang war es nicht möglich, die Humusgehalte der Böden wesentlich anzuheben. Durch die Erzeugung von außerordentlich fruchtbaren anthropogenen Schwarzerde-Substraten eröffnen sich neue Möglichkeiten für eine nachhaltige Landnutzung. Für die schnelle Anhebung der Dauerhumusgehalte in Böden spielt Biokohle eine zentrale Rolle. Dabei sollte ihre Aufgabe nicht nur auf ihre chemische und physikalische Wirkung beschränkt werden. Biokohle hat eine bedeutende Funktion als Habitat für Bodenmikroorganismen. Im Zusammenspiel mit der organischen Bodensubstand, den Bodenorganismen und den Pflanzen trägt die Biokohle zur hohen Ertragsfähigkeit bei und kann gleichzeitig große Mengen Kohlenstoff im Boden speichern.

Die Umweltverträglichkeit, der ökonomische und soziale Nutzen der Bodenverbesserung durch Biokohle hängt wesentlich vom regionalen Stoffstrommanagement ab, das darauf zielt, die Kohlenstoff- und Nährstoffverluste, die insbesondere durch Rest- und Abfallstoffe entstehen, zu minimieren. Hierbei können vergessene Praktiken von früheren Zivilisationen wichtige Impulse geben. Beispielsweise wurde in der Vergangenheit in Japan ein spezieller Dünger, genannt haigoe, von menschlichen Siedlungsabfällen und Holzkohlepulver aus Reisspelzen hergestellt. Auch bei der Terra Preta do Indio kann man davon ausgehen, dass diese anthropogene Bodenform das Ergebnis eines Eintrages von pyrogenem Kohlenstoff durch ein hervorragend optimierten Boden- und Abfallmanagements ist.

Durch Speicherung organisch gebundenen Kohlenstoffs in Böden kann die Landwirtschaft wirksam zum Klimaschutz beitragen. Innovative Projekte zur Anreicherung und Speicherung von Kohlenstoff in Böden sollten deshalb gezielt gefördert werden. Hierzu sollte neue Wege der Agrarforschung gemeinsam mit den Landwirten und Gärtnern beschritten werden.

Letzte Änderung 29.06.2010